Wirtschaft rückt von Turboabitur ab — Unternehmen: Kreativität leidet / Ministerin: Keine schnelle Entscheidung

Hannover. Vor zehn Jahren waren sie ein Motor bei der Einführung des verkürzten Abiturs in Niedersachsen, jetzt gehören sie zu den schärfsten Kritikern:
Für die Unternehmer ist die Abschlussprüfung nach zwölf Jahren, die Schüler erstmals im
Doppeljahrgang 2011 abgelegt haben, kein Erfolgsmodell. „G 8 hat unsere Erwartungen bei Weitem nicht erfüllt“, sagt Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer vom Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall. „Die Jugendlichen werden mit Lernstoff
vollgepfropft, sodass für ehrenamtliches Engagement keine Zeit mehr ist. Kreativität
und Selbstständigkeit bleiben auf der Strecke.“ Dabei lerne man gerade in Vereinen Führungsverhalten und Sozialkompetenz.
„Schule darf nicht schaden“, sagt Schmidt. Aber eben genau das geschehe derzeit an
den Gymnasien. Auch bei den Unternehmerverbänden Niedersachsen, einst
glühende Verfechter des verkürzten Abiturs, hat ein Umdenken eingesetzt. „Wir sind
mitten in einer Diskussion“, sagt Hauptgeschäftsführer Volker Müller.

Klar sei schon, dass man beim gegenwärtigen G 8 kräftig nachsteuern müsse.
Das verweist auf eine neue 20-köpfige Expertenrunde zur Zukunft des Gymnasiums, die
sich gestern erstmals getroffen hat. „Es geht es nicht nur um die Dauer der Schulzeit, sondern auch um solche Themen wie neue Formen der Leistungsüberprüfung
und eine mögliche Reduzierung der Abiturprüfungsfächer“, sagte ein Ministeriumssprecher.
Vor Ende März 2014 wird es dem Vernehmen nach keine Ergebnisse geben, mit möglichen
Gesetzesänderungen nicht vor Sommer 2015. Nach Ansicht vonPhilologenchef Horst Audritz dauert das viel zu lange.
Das Kultusministerium hält dagegen. Man wolle nicht den Fehler von Schwarz-Gelb mit
überhasteten Entscheidungen wiederholen, sondern sich lieber länger Zeit lassen. Unterstützung bekommt Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) von NiedersachsenMetall-Chef Schmidt: „Ihr Weg ist der einzig richtige.“ Das neue
Modell für die Schulen müssen funktionieren. „Der nächste Schuss muss sitzen !

GT vom 06.09.2013

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