Stadt will neue Ganztagsschulen mit Mittagessen ermöglichen und Personalkosten senken.
Göttingen. In den großen Schulmensen in der Stadt sollen künftige Eltern an der Essensausgabe die Kelle schwingen – ehrenamtlich. Damit will die Stadtverwaltung Personalkosten reduzieren. Die Schulen sollen die Helfer selbst organisieren. Schulleiter und Elternvertreter sind skeptisch oder lehnen den Vorstoß ab. Der Schulausschuss des Rates hat zunächst mit den Stimmen von SPD und Grünen mehrheitlich zugestimmt, kommende Woche entscheidet abschließend der Rat. Nach Berechnungen der Verwaltung könnten so 4,5 Stellen unbesetzt bleiben, die Stadt würde unterm Strich gut 95.000 Euro jährlich sparen.
Dabei will die Verwaltung keine Mitarbeiter entlassen, sondern nur umverteilen. Denn im nächsten Jahr kommen weitere Ganztagsschulen mit Mittagessen hinzu. Zugleich steigt die Zahl der Esser und Portionen kontinuierlich: im nächsten Jahr auf voraussichtlich 620.000 Portionen – doppelt so viel wie 2002. Um den personellen Mehrbedarf aufzufangen, sollen fest angestellte Kräfte über alle Mensen verteilt arbeiten, an jeder Ausgabe mindestens eine städtische Kraft. Werden mehr Helfer gebraucht, sollen Eltern dazu kommen. Betroffen wären zunächst die Gesamtschulen KGS und IGS, die Voigt-Realschule, Heinrich-Böll-Schule, Martin-Luther-King-Schule (mit Käthe-Kollwitz), das Hainberg-Gymnasium (HG, mit Herman-Nohl) und Max-Planck-Gymnasium (mit Albanischule).
Hintergrund ist die Finanznot der Stadt. Um ihr hohes laufendes Defizit abzubauen, musste sie ein Sicherungskonzept erarbeiten. Unter anderem soll das Rathaus pauschal 50 Stellen streichen – auch im Fachbereich Schule. An vielen Stellen von den Bibliotheken bis zu den Sekretariaten sei alles ausgereizt, erklärte die Fachbereichsleiterin Maria Schmidt. In den Ausgabeküchen gebe es hingegen noch Spielraum, ohne das pädagogische Angebot zu beschneiden. Zudem seien die Göttinger verwöhnt. Mit der bisherigen personellen Vollausstattung inklusive Personal-Organisation und Essensabrechnung im Rathaus bewege sich die Stadt auf hohem Standard. An vielen anderen Schulen müssten diese Leistungen von den Schulen selbst erledigt werden – inklusive Essensausgabe durch Eltern.
Ex-Schulleiter und CDU-Ratsherr Thomas Häntsch bezweifelte, dass die Schulen genügend Ehrenamtliche für diese Arbeit finden werden. Zudem sei fraglich, wie verlässlich die Kräfte in diesem sensiblem Bereich eingesetzt werden könnten. Eine Position, die viele Schulleiter teilen und dabei auch über die organisatorische Mehrbelastungen klagten. Zudem widerspreche dieses Konzept der Intention von Ganztagsschulen, berufstätige Eltern zu unterstützen, ergänzte HG-Leiter Wilfried Bergau-Braune. Sollte das Konzept greifen, werde seine Schule dennoch kooperieren. Der Stadtelternrat hingegen lehnt den Vorstoß konsequent ab. Schon jetzt seien die Profi-Kräfte in den Mensen „völlig überlastet“, so der Vorsitzende Claus-Peter Siebert.
Quelle: Göttinger Tageblatt vom 12.12.2011 (Ulrich Schubert)